Geschichte des „Liederkranz Gnadental e.V.“ gegründet 1889

 

Schon 1884 und früher gab es in Gnadental einen Männerchor, so lassen es wenigstens handschriftliche Sängernoten vermuten, die sich noch heute im Besitz des Gesangvereins befinden. Offizielles Gründungsjahr aber ist das Jahr 1889, dasselbe in dem auch der „Darlehenskassenverein Gnadental“ sowie der „Kriegerverein Gnadental“ entstanden. Die Namen der 21 Gründungsmitglieder sind bis heute im Ort und seiner Umgebung erhalten oder zumindest bekannt, einige haben als aktive Sängernamen noch heute ihren „guten Klang": Rössler (damals Schultheiß), Eisemann(l. Vorstand), Bäumlisberger, Butz, Gamm, Haßold, Kastenbauer, Kolb, Klenk,Meyer, Röger, Scholl, Weickum, Vogt. Erster Dirigent war Lehrer Böhringer, ihm folgte 1892 Lehrer Kußmaul, unter dessen tatkräftiger Leitung 1897 die Fahnenweihe gefeiert wurde. Diese Fahne mit der traditionsbewußten Inschrift „Gesang Verein1897 Kloster-Gnadenthal“ befindet sich übrigens heute immer noch im Vereinsbesitz und im „aktiven“ Gebrauch. Wer an der damaligen Fahnenweihe als Gastverein teilgenommen hat, ist leider nicht überliefert, es sollen aber sehr viele gewesen sein. Einige ganz moderne Sänger kamen sogar mit dem Fahrrad angereist und feierten tüchtig mit.

 

Die Vereinsfahne von 1897

Vereinsfahne von 1897

Nach diesem ersten Höhepunkt im Vereinsleben beschränkten sich die sängerischen Aktivitäten auf die Mitwirkung bei den üblichen dörflichen Ereignissen und Feiern. Eine ernste Zäsur setzte wie überall der Erste Weltkrieg, der Singbetrieb kam zum Erliegen. Nach Kriegsende wurde der Männerchor in „Liederkranz Gnadental“ umbenannt, 1919 ein gemischter Chor gegründet. Neuer Vorstand wurde der „Vogte-Wächner“ Friedrich Vogt. Trotz der schweren Nachkriegszeit und der nachfolgenden lnflation wurde bereits 1921 ein Kinderfest gefeiert, außerdem besuchte man so oft als möglich, zu Fuß oder mit dem Pferdegespann, die üblichen Sängerfeste, Vereinstreffen und Gaufeste.

Die vielen Lehrerversetzungen (unständige Lehrkräfte) brachten bis 1927 häufigen Dirigentenwechsel (Zinser, Weinmann, Heldenmaier). Unter dem neuen Chorleiter Schmalzriedt (1928 - 1934) kam es zu einer Konsolidierung und Vorstand Vogt konnte 1928 zum 25 jährigen Fahnenjubiläum in der eigenen Sängerhalle (= Festzelt) immerhin 32 Vereine begrüßen. Doch die Freude über dieses gelungene Fest währte nicht lange: Die Weltwirtschaftskrise sorgte für Geldknappheit und Arbeitslosigkeit, die neue „Sängerhalle“ konnte deshalb nicht vermietet und auch aus Eigenmitteln nicht abbezahlt werden. 1932 mußte sie verkauft werden, um die Schulden zu begleichen. Unter Chorleiter Probst und dem neuen Vorstand Karl Kübler (ab 1938) aus Rinnen wurde Mitte bis Ende der 30er Jahre der Liederkranz durch jüngere Mitglieder aufgefrischt und eine neue Vereinssatzung angenommen. Nachdem sich 1938 der „Gemischte Chor“ als „Evangelischer Kirchenchor“ der evangelischen Kirche angeschlossen hatte, sollte es beim Liederkranz mit neuem Schwung im Dienste des „Deutschen Liedes“ aufwärts gehen. Aber das Ende kam rasch: Wie damals üblich,wurde der neue Vorstand Karl Kolb jr. 1939 noch als „Führer des Liederkranzes Gnadental“ bestätigt, doch der Ausbruch des 2. Weltkrieges beendete jegliche weitere Vereinsarbeit.

Eine Wiederbelebung des Liederkranz versuchten 1950 Vorstand Friedrich Bauer und Chorleiter Karl Lutz. Zu den aus dem Krieg heimgekehrten Sängern konnten weitere junge Männer dazugewonnen werden, und bald gab der Liederkranz wieder bei vielen Sängerfesten in der Umgebung eine Probe seines Könnens ab. Aber Nachkriegszeiten scheinen immer gleich, nämlich turbulent zu sein. Im Amt des 1. Vorstands gab es in den 50er Jahren häufigen Wechsel (Friedrich Kolb, Friedrich Schmelzle, Ernst Schröder, Gottlob Blauth), bei den Chorleitern war es nicht anders (Erich Beck, Alfred Hofmann, Manfred Herweck, zwischenzeitlich auch Pfarrer Kurt Wagner).

Doch in den 60er Jahren konnte der Liederkranz endlich wieder Tritt fassen: Unter der tatkräftigen und umsichtigen Vorstandsarbeit von Hans Vogt (1960 - 69) und des musikalischen Könnens sowie Ideenreichtums des neuen Chorleiters und Schulleiters Siegfried Schnepf (1957 - 66) ging es aufwärts: Traditionelles Liedgut wurde erhalten, neue und moderne Männerchöre wurden einstudiert und - für Gnadental besonders wichtig - die Geselligkeit kam auch nicht zu kurz. So wurde das Maisingen wiederbelebt und die jährliche Winterfeier wieder zum festen Brauch erhoben. Auch abendfüllende Theaterstücke, wie z. B. „Titanic“, erlebten begeistert aufgenommene Aufführungen. Bereits 1960 kam es wieder zu einem öffentlichen Silcherabend und kurz darauf im Juli zu einem gut besuchten Gartenfest mit Kinderfest (Thema „Märchen“). Außer vielen Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung pflegte man natürlich auch den Besuch von Sängerfesten und war besonders stolz, als man beim Wertungssingen in Öhringen 1962 ein „Sehr gut“ erhielt (Lied: „Die Spröde“ von Walter Rein).

Höhepunkt dieser Ära war aber zweifelsohne das 75 jährige Jubiläum auf dem Festplatz Herrenwiesen vom 17.- 19. Juli 1964: Bereits in die Vorbereitung wurden bürgerliche Gemeinde, Schulgemeinde und Kirchenchor mit einbezogen so dass man sagen kann: Nicht nur der Liederkranz, nein, ganz Gnandental half mit bei der Gestaltung dieses rundum gelungenen Jubiläums. Der Liederkranz trat mit einem Festchor von 85 Personen auf und brachte mit musikalischer Begleitung den "Hirtenchor" aus „Rosamunde“ von Schubert sowie die „Bremer Stadtmusikanten" von Fr. Nagler zu Gehör. Der gemischte Chor sowie der Männerchor vom Patenverein Michelfeld sangen beim Heimatabend, die Festdamen tanzten und Kinder wie 30 Gastvereine gaben ihr Bestes bei Kinderfest, Festzug und den Liedvorträgen im extra Singzelt mit Übertragung ins Festzelt - damals ein absolutes Novum. Auch der Himmel hatte ein Einsehen und sorgte für strahlendes Festwetter, so daß man 72 Hektoliter Bier brauchte, um den gröbsten Durst zu stillen, denn das 2000-Mann-Zelt war 3 lang voll besetzt. Vom Kochergau gab's dafür bei der nächsten Gauversammlung ein Extralob: „... seit 30 Jahren kein solches Sängerfest gehört, erlebt und gesehen ... "

Aber wie so oft, nach einem kräftigen Hoch folgt meist ein Tief. Die Begeisterung ließ nach gelungenem Fest auch in Gnadental nach, obwohl sich Vorstandschaft und Chorleiter beste Mühe gaben, die Sänger bei der Stange zu halten. Man fühlte sich ein bißchen müde, ruhte sich auf den gesammelten Lorbeeren aus. Der Singstundenbesuch ließ spürbar nach. Vielleicht lag es aber auch daran, daß ein neuer Konkurrent für alle Gesangvereine ins traute Heim „hineingeschlichen“ war: Mitte der 60er Jahre zog das Fernsehen in die meisten bundesdeutschen Wohnzimmer ein. Wie dem auch sei, allzu stimmgewaltig stand der Liederkranz Gnadental in den Jahren 1965/66 nicht mehr da. Man machte zwar noch die verschiedensten Ausflüge, musikalisch aber ging es nicht vorwärts. Nachdem dann auch Chorleiter Schnepf dem Kloster - so wird Gnadental heute noch in der Umgebung genannt - den Rücken gekehrt hatte, versuchte sein Nachfolger Ignaz Zachay (1967 - 69) wieder vorwärts zu arbeiten. Aber auch er sah sich mit den Problemen des schlechten Singstundenbesuchs konfrontiert, Probleme, wie sie zu jener Zeit die meisten Nachbarvereine auch hatten. 1969 wurde deshalb im Liederkranz die mögliche Fusion mit ähnlich betroffenen Nachbarvereinen diskutiert, aber abgelehnt. Hans Kolb wurde in jener schweren Zeit neuer Vorstand und versuchte, nach dem Weggang von Chorleiter Zachay einen Wiederaufschwung zu erwirken. Es gelang aber weiterhin nicht, Karl Schmelzle war nun Vorstand geworden, einen geeigneten Chorleiter zu finden: Die neue Generation der Lehrer an der Gnadentaler Schule war musikalisch nicht mehr ausgebildet, befähigte Bewerber von auswärts fanden sich nicht. Man führte zwar immer wieder Ausflüge durch und hielt Generalversammlungen ab, aber an den Deutschen Sangerbund mußte man melden: „Seit 1969 keine aktive Sängerarbeit mehr, da kein Dirigent vorhanden".

Nach nochmaligen Fusionsüberlegungen und -verhandlungen gelang es dann endlich, im Oktober 1973 mit Lehrer Herbert Frey aus Waldenburg einen neuen Dirigenten zu gewinnen. Der Liederkranz wurde wieder aktiv und konnte sich bereits im März 1974 mit einem Frühlingsfest und alten wie neuen Liedern der Offentlichkeit präsentieren. Das Maibaumsingen wurde wieder eingeführt, ebenso die jährliche Winterfeier, die für die umliegende Bevölkerung wieder gesellschaftliches und kulturelles Ereignis, für die Sänger und ihren Dirigenten aber Gradmesser der eigenen Leistung wurde. Was in oft mühsamer und geduldiger Arbeit in der Singstunde einstudiert wurde, konnte und kann man bis heute hier zeigen: Plege und Bewahrung traditionellen Liedguts, Einstudierung neuer, zeitgemäßer Liedformen, zum Teil auch aus europäischen Nachbarländern bis hin zu Liedern aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, Spirituals, Shanties, Operettenmelodien, Lieder und Liederzyklen a cappella oder mit Instrumentalbegleitung, z. B. durch das Heilbronner Bläserensemble, Solosänger, Bänkelsongs und Moritaten sowie Couplets. Daß auch schauspielerische Talente vorhanden sind, zeigen die vielen Sketche und Lustspiele in Mundart und natürlich die selbst verfaßten Kabarett- bzw. „Kabinettstückchen“, die wie die überlieferten alten Weisen der „Klosterlerchen“, die stets in Hohenloher Tracht auftreten, immer Teil eines echt selbstgemachten Programms sind. Doch man gibt sich auch weltoffen, so waren als Gäste z. B. schon die „Original Wiener Kaffeehausmusiker“ und ein echter sibirischer Braunbär auf der Bühne zu sehen.

Die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Dirigent und Vorstandschaft (1. Vorsstand von 1974 - 1981 Theodor Thüncher, seit 1981 Günter Vogt) ware aber ohne das Mitziehen der aktiven Sänger nicht möglich gewesen. Von 25 Sängern hat sich der Verein bis heute auf 35 Sänger steigern können und darf sich glücklich schätzen, eine ganze Anzahl noch nicht Dreißigjähriger in seinen Reihen zu wissen, so daß eine gesunde Mischung aus Älteren und Jüngeren entstanden ist. Musikalisch ging es so,mit neuem Klavier und in neuen Räumen im Bürgerhaus, stetig aufwärts, und man konnte und kann sich als Liederkranz durchaus hören und sehen lassen: Ob beim Gottesdienst in der Klosterkirche, bei der Einweihung von Turnhalle oder Bürgerhaus, beim Ständchen für ein Geburtstagskind, bei Hochzeit oder Beerdigung, beim Bürkhoffest unseres Patenvereins Michelfeld oder bei einem sonstigen Sängertreffen- der „Klöstermer“ Liederkranz ist immer dabei und herzlich willkommen. Sogar auf Südfunk war er schon mit 4 Liedern zu hören, als dieser seine Sendung „Sang und Klang aus Stadt und Land“ am 18. 7. 1981 über die Ortschaft Gnadental sendete. Auch bei den zahlreichen Vereinsausflügen, die schon in fast alle schönen Landschaften bei uns und in den angrenzenden Nachbarländern führten, mit Gesang und guter Laune fand man immer Freundschaft und Anerkennung.

Daß die Gnadentaler aber seit altersher nicht nur gute Gäste sondern auch gute Gastgeber sind, belegen die vielen gut besuchten Sommerfeste der letzten Jahre. Mit zwei größeren festlichen Ereignissen (Garten- und Kinderfest 1975, Motto „700 Jahre Gnadental“, und dem 90 jährigen Jubiläum 1979) konnte der Liederkranz schon weite Kreise der umliegenden Bevölkerung ansprechen. Eine Sonderstellung im Festkalender der weiteren Umgegend nimmt aber ein vom Namen her eher kleineres Fest ein: Jedes Jahr, an einem Wochenende im Juli oder im August, steigt im Unterdorf, direkt beim Kloster, das Gnadentaler „Straßenfest“. 1988 war es bereits zum 12. Mal. Ländliche Spezialitäten wie Schlachtplatte, Blooz, Most, zuweilen Hammel am Spieß und sonstige Zungen- und Gaumenfreuden, Musik und Tanz sowie ein Sängertreffen mit Konzert vor und in der Klosterkirche locken allsommerlich Scharen von Besuchem an.

In diesem Jahr aber wird es auf dem Klosterplatz etwas ruhiger zugehen, denn für die Festveranstaltungen zum 100- jährigen Bestehen des Liederkranzes Gnadental reicht der Platz beim besten Willen nicht aus, sind doch große Dinge geplant wie Bierprobe, Heimatabend, Festgottesdienst, Festzug, Kinderfest und Freundschaftssingen der Gastvereine. Aber gleich daneben auf der Herrenwiese wird ein großes Festzelt stehen, um vom 7.- 9. Juli 1989 all den vielen Gästen das beste aus Küche und Keller zu bieten. Der Liederkranz - und mit ihm die ganze Bevölkerung von „Kloster Gnadental“ - steht erwartungsfroh vor diesem großen Höhepunkt seiner langen und wechselvollen Vereinsgeschichte und hofft, erfolgreich zu bestehen und gestärkt aus diesem Jubiläum hervorzugehen.

Quellen: Protokollbuch des Liederkranzes

Vereinschronik aus dem Festbuch von 1964

Erzählungen älterer Sänger und Einwohner

 

Fahnenweihe 1908Fahnenweihe 1908